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Junge mit Skateboard steht im Park
"Sport und Spiel fördern die geistige Entwicklung"

 

 

Bewegungs­mangel bei Kindern – Eltern als aktive Vorbilder

Bewegung stärkt die Widerstandskraft und fördert die kindliche Entwicklung. Trotzdem bewegen sich in Deutschland drei Viertel aller Kinder zu wenig. AOK-Experte Jörg Heinrichs sagt, wie Eltern Bewegungsmangel bei Kindern aktiv begegnen.

Fast alle deutschen Eltern schätzen die Gesundheit ihrer Kinder als mindestens gut ein. Teilen Sie diese Meinung?

Wenn man unter Gesundheit „nicht krank“ versteht, haben die Eltern recht. Schließt der Begriff aber eine optimale Entwicklung sowie körperliche und geistige Fitness ein, gibt es gerade im Bereich Bewegung Defizite. Die körperliche Kraft und Ausdauer von Kindern sind oft unterentwickelt. Das gilt auch für Fertigkeiten wie Werfen, Springen oder Laufen. Die Folge: Kinder, die sich zu wenig bewegen, erkranken häufiger – beispielsweise an Diabetes.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt täglich 60 Minuten Bewegung. Drei Viertel der deutschen Kinder bewegen sich nicht genug. Was sind die Gründe? 

Häufig haben Kinder gar keinen Anlass, sich zu bewegen. Öffentliche Verkehrsmittel oder das Familientaxi sorgen für den Transport von A nach B. Viele Kinder sind zu oft auf sich allein gestellt und beschäftigen sich hauptsächlich mit dem Fernseher oder Computer. Mütter und Väter sollten im Alltag ein Vorbild sein, an dem sich die Kinder orientieren können. Interessiert sich der Nachwuchs für eine Sportart, sollten die Eltern die Neugier aktiv fördern – zum Beispiel, indem sie ihr Kind beim Verein anmelden. Sprüche wie „In deinem Alter war ich schon ...“ motivieren nicht, sondern verpuffen meist wirkungslos.

AOK-Icon zu Bewegungsmangel

Aktive Eltern: Mütter und Väter sollten im Alltag ein Vorbild sein, an dem sich die Kinder orientieren können.

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Früh übt sich: Laufen, Werfen oder Springen sollten Kinder vor ihrer Einschulung erlernen. 

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Sport fördern: Interessiert sich der Nachwuchs für eine Sportart, sollten die Eltern die Neugier aktiv fördern.

Wie entscheidend ist Bewegung für die kindliche Entwicklung?

Je jünger die Kleinen sind, desto wichtiger ist Bewegung. Babys „begreifen“ ihre Umwelt durch aktives Anfassen, Berühren und Ausprobieren. Sport und Spiel fördern die geistige Entwicklung – der Kopf steuert die Muskeln. Sportliche Grundlagen wie Laufen, Werfen oder Springen sollten Kinder noch vor ihrer Einschulung erlernen. Später fällt es ihnen immer schwerer. Auch, weil sie Dinge meiden, in denen sie nicht gut sind.

Haben Kinder, die sich ungesund ernähren und wenig bewegen, als Erwachsene häufiger Gesundheitsprobleme?

Die Wahrscheinlichkeit ist höher. Selbst wenn ein Mensch sein Verhalten erst als Erwachsener ändert, kann er sein Risiko verringern. Den meisten Menschen fällt es immer schwerer, je später sie damit anfangen.

Stärken Sport und Bewegung die körperliche und seelische Widerstandsfähigkeit der Kinder?

Ja, wenn Sport und Bewegung richtig eingesetzt werden. Eltern und Kinder sollten Sport als ein Mehr an Lebensqualität begreifen. Zwanghaftes Kalorienverbrennen und übertriebener Leistungsdruck wirken sich dagegen negativ aus.

Jörg Heinrichs ist diplomierter Sportwissenschaftler und seit mehr als 20 Jahren für die AOK tätig, unter anderem als Experte im Ratgeber-Forum Fitness & Bewegung. Hier gibt er Ihnen Tipps, was Sie gegen Bewegungsmangel bei Kindern tun können.