Die AOK-Initiative für Familien
Zwei jungen Spielen Basketball – dafür brauchen sie den Treibstoff Glukose
Warum brauchen wir Zucker?

 

 

Glukose – Zucker als Treibstoff des Körpers

Zucker hat einen schlechten Ruf: In zu großen Mengen kann er uns dick und krank machen. Andererseits können wir ohne ihn nicht leben. Warum das so ist und wie Ihre Familie mit Zucker gesund lebt, erklärt Ernährungsberaterin Semra Köksal im Interview.

Wofür braucht der menschliche Körper Zucker?

Zucker ist ein Brennstoff, der Energie liefert. Er treibt uns an und macht unter anderem Denken, Atmen und Bewegung erst möglich. In Reinform braucht unser Körper ihn aber nicht. Vielmehr ist er auf Glukose, also Traubenzucker, angewiesen, den er selbst herstellt – beispielsweise aus Kartoffeln, Reis oder Nudeln. Diese Nahrungsmittel enthalten Stärke, ein Kohlenhydrat, das nichts anderes ist als eine lange Kette von Glukosebausteinen. Sie versorgen den Körper langanhaltender mit Energie als reiner Zucker.

Brauchen Kinder überhaupt reinen Zucker?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, dass Kinder nicht mehr als ein Zehntel ihres Energiebedarfs mit reinem Zucker decken sollten – das entspricht maximal 25 Gramm am Tag. Bei einer ausgewogenen Ernährung mit vielen gesunden Vollkornprodukten, Gemüse und Obst reicht das absolut aus.

Warum liebt unser Körper Zucker?

Das ist evolutionär bedingt. Auch unsere Vorfahren aßen gerne süße Beeren. Denn Süßes ist in der Regel nicht giftig. Zudem ist unsere erste Nahrung, die Muttermilch, süß. Das prägt unsere Vorlieben nachhaltig – genauso wie die Erziehung und das Vorbild der Eltern.

Kinder sollten möglichst wenig zuckerhaltige Softdrinks trinken.AOK-Ernährungsberaterin Semra Köksal

Welche Rolle spielt das Gehirn beim Konsum von Süßigkeiten?

Süßes aktiviert das Belohnungssystem: Das Gehirn schüttet nach dem Verzehr die Glückshormone Dopamin und Endorphine aus. In der Folge fühlen wir uns gut. Dieser Effekt hält aber nicht lange an. Besser ist es, wenn wir Kohlenhydrate zu uns nehmen, die unsere Verdauungsorgane erst in Zucker aufspalten müssen. So hat der Körper Reserven an Glukose und das Verlangen nach Süßem kommt gar nicht erst auf.

Macht die Kombination aus Zucker und Glückshormonen süchtig?

Nein, dafür gibt es keine Hinweise. Klar, wenn wir den Körper an große Zuckermengen gewöhnen, verlangt er schneller nach Nachschub. Dennoch ist es möglich, den Konsum kontinuierlich zu reduzieren.

Woran erkennen Eltern, dass ihre Kinder zu wenig Glukose im Körper haben?

Der Körper schüttet dann Botenstoffe aus, die ihrerseits Zittern, Schwitzen und Heißhunger auf Süßes auslösen. Signale also, die uns sagen, dass wir schleunigst etwas essen sollten.

Diabetes mellitus: Unterschied Typ 1 und Typ 2

Bei der „Zuckerkrankheit“ unterscheiden Mediziner zwischen Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2. Häufig werden die beiden Formen verwechselt. Aber die Unterscheidung ist für den Umgang mit der Erkrankung und für die Behandlung wichtig.

Kann zu wenig Zucker zu Konzentrationsstörungen führen?

Gerade Kinder können sich in der Schule nur schwer konzentrieren, wenn sie zum Beispiel nicht frühstücken. Sie wollen lernen, aber ihnen fehlt die Energie. Regelmäßige Mahlzeiten sind wichtig, damit Körper und Gehirn immer genug Glukose zur Verfügung steht. Für eine nachhaltige Energieversorgung sollte ein Frühstück aus Haferflocken, Milch oder Joghurt und frischem Obst bestehen.

Und wenn wir viel zu viel Zucker konsumieren?

Meist kommen zwei Probleme zusammen: die große Menge an Zucker und die Tatsache, dass wir viel zu lang sitzen, egal ob im Büro oder in der Schule. Dabei verbrauchen wir nicht viel Energie. Den überschüssigen Zucker setzt der Körper eben nicht in Energie um, sondern speichert ihn. Übergewicht, Leberkrankheiten wie zum Beispiel eine Fettleber oder Diabetes mellitus Typ 2 sind mögliche Folgen.

Und wie wird eine Familie den überschüssigen Zucker wieder los?

Durch viel Bewegung. Einfacher ist es, wenn sich die Familie zuckerarm ernährt. Besonders Softdrinks haben es in sich: Gesüßte Getränke wie Limonade, Smoothies oder Quetschies sind hauptsächlich für den Zuckerüberschuss bei Kindern verantwortlich. Ein Liter Cola kann beispielsweise bis zu 38 Würfel Zucker enthalten. Gerade im Sommer trinken Kinder so eine Flasche ganz schnell leer.

Semra Köksal ist Diätassistentin und arbeitet als Ernährungsberaterin bei der AOK Nordost. Im AOK Ratgeber-Forum Eltern & Kind berät sie Versicherte zu den Themen Übergewicht, Diabetes und ernährungsabhängige Erkrankungen – auch bei Babys und Kindern.