Die AOK-Initiative für Familien
Kinder mit ADHS können sich schlecht konzentrieren.
ADHS erkennen

 

 

Hyperaktiv – wie Eltern Kinder mit ADHS unterstützen können

Kinder mit ADHS sind hyperaktiv, handeln impulsiv und können sich schlecht konzentrieren. Eltern macht ADHS bisweilen das Leben schwer. Was typische Symptome von ADHS sein können und wie betroffene Familien Ihren Alltag besser meistern, lesen Sie in diesem Artikel.

"Jeder Tag kostet uns eine Menge Kraft. Ich muss Lucas tausendmal daran erinnern, seine Hausaufgaben zu machen. Er schweift immer ab und spielt dann lieber auf seinem Handy", sagt Marit, 38 Jahre. Ihr Sohn ist im August zwölf geworden. An guten Tagen bleibt sie ruhig und gelassen, an schlechten schreien sie sich an. Dann knallt Lucas die Türen. "Still sitzen ist der Horror", findet er.

ADHS – eine Herausforderung für Eltern und Kinder

Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine Herausforderung – für die betroffenen Kinder wie für ihre Eltern, Lehrer und Geschwister. Kinder mit ADHS

  • Sind unruhig, hibbelig und übermäßig aktiv
  • Handeln impulsiv, ohne an die Folgen zu denken
  • Sind unaufmerksam oder unkonzentriert und lassen sich schnell ablenken
  • Einige verhalten sich trotzig oder aggressiv und kommen mit anderen Menschen nicht so gut zurecht


Symptome wie diese sind bei Kindern mit ADHS stärker ausgeprägt als bei Gleichaltrigen und treten meist im Vorschulalter in verschiedenen Lebensbereichen auf – zum Beispiel zu Hause, in der Schule und beim Sport. In Deutschland sind rund fünf Prozent aller Kinder und Jugendlichen betroffen.

Mütter und Väter von Kindern mit der Diagnose ADHS sind nicht selten der Verzweiflung nah.Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender AOK-Bundesverband

Nicht jedes hyperaktive Kind hat ADHS

Manche Kinder sind ungewöhnlich aktiv und rennen umher, andere sind ruhig, aber oft mit den Gedanken woanders. Beide Typen von Kindern können, müssen aber nicht zwangsläufig ADHS haben. Die Diagnose von ADHS ist kompliziert und erfordert umfangreiche Untersuchungen durch Kinderärzte, Kinder- und Jugendpsychologen oder Psychotherapeuten.

Dass Lucas regelmäßig austickt, wenn er das Chaos in seinem Zimmer aufräumen soll, hielten Marit und ihr Mann lange für kindlichen Trotz. "Eltern sollten auf ihr Gefühl hören und den Kinderarzt ansprechen, wenn sie sich durch das Verhalten ihres Kindes überfordert fühlen", rät ADHS-Experte Prof. Manfred Döpfner vom Universitätsklinikum Köln. Marit und ihr Mann Janek hatten lange Zeit das Gefühl, als Eltern zu versagen.

Was ist ADHS und wodurch entsteht es?

Die Abkürzung ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Sie ist mit ADS verwandt, der Aufmerksamkeitsdefizitstörung. Kinder mit ADS haben Konzentrationsstörungen, sind aber nicht hyperaktiv.

"ADHS ist eine in erster Linie genetisch bedingte neurologische Funktionsstörung des Gehirns und keine Folge falscher Erziehung", versichert Professor Döpfner. Durch die Störung kann Lucas’ Hirn Wichtiges nicht von Unwichtigem unterscheiden. Die Erziehung der Eltern kann das auffällige Verhalten verschärfen oder abschwächen.

5 Prozent aller Kinder und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren erhalten die Diagnose ADHS
30 bis 50 Prozent aller Kinder mit ADHS haben auch als Erwachsene Probleme. Sie sind weniger hyperaktiv, dafür leichter abzulenken
8 Prozent aller Jungen in Deutschland leiden an ADHS. Bei den Mädchen liegt die Zahl bei knapp 2 Prozent

Diagnose ADHS – und dann?

Oft sind Eltern so genervt und erschöpft, dass sie gar nicht wahrnehmen, wie verzweifelt ihr Kind ist. Jungen und Mädchen, die an ADHS leiden, bekommen von allen Seiten die Rückmeldung: "Mit dir stimmt was nicht." Nicht selten sind Aggressionen und Depressionen die Folge.

Je nach Schweregrad und individueller Situation gibt es mehrere Behandlungsmöglichkeiten. ADHS-Forscher Manfred Döpfner empfiehlt betroffenen Eltern, sich von einem Experten mit Erfahrung in der ADHS-Behandlung beraten zu lassen. Die Experten unterstützen Mütter und Väter und helfen ihrem Nachwuchs – durch konkrete Übungen, Tipps oder in schweren Fällen auch durch Medikamente und die Vermittlung zusätzlicher Hilfen.

Training für den Alltag

"Die Kunst liegt darin, nicht nur über Verbote und Sanktionen mit den Kindern in Beziehung zu treten", erläutert Döpfner. Durch enge Grenzen, klare Absprachen und Strukturen können Eltern ihre Kinder am besten unterstützen. Für den Familienalltag empfiehlt Döpfner den von ihm entwickelten ADHS-Elterntrainer der AOK.

ADHS-Elterntrainer

Mit dem kostenlosen ADHS-Elterntrainer unterstützt die AOK Mütter und Väter von besonders unruhigen, unaufmerksamen oder trotzigen Kindern. Das wissenschaftlich fundierte Online-Training bietet schnelle Hilfe im Alltag: 44 Videos und interaktive Übungen liefern Eltern konkrete Vorschläge, wie sie typische Konfliktsituationen wie "Mein Kind hat einen Wutanfall" lösen können.

Gemeinsam Spaß haben

"Das Programm", so Döpfner, "kann von Eltern selbstständig genutzt aber auch als Ergänzung zu ärztlicher oder therapeutischer Behandlung eingesetzt werden." Ein weiteres Ziel sei, dass Eltern ihre eigenen Bedürfnisse erkennen und regelmäßig ihre Batterien aufladen. Zum Austoben geht Marit am liebsten mit Lucas zur Aqua-Fitness, zweimal die Woche. Da strampeln und prusten sie gemeinsam im Wasser – ganz unbeschwert.

Dr. med. Astrid Maroß ist Ärztin für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie beim AOK-Bundesverband. Mit ihrer Expertise begleitete sie den Entwicklungsprozess des ADHS-Elterntrainers und leitete das Gesamtprojekt.