Die AOK-Initiative für Familien
Pflegebedürftiges Kind mit Teddybär
Kinder, die Pflege brauchen

 

 

Familienalltag – wenn Eltern Kinder pflegen

Wenn ein Kind pflegebedürftig ist, kann das Familienleben aus der Balance geraten: Geschwister fühlen sich vernachlässigt, Eltern haben zu wenig Zeit für sich. Wie Sie mit einer solchen Situation umgehen sollten, erklärt Claudia Groth vom „Kinder Pflege Netzwerk“ im Interview.

Wie gehen Familien mit der Tatsache um, dass ein Kind Pflege benötigt?

Familien von pflegebedürftigen Kindern bemühen sich um einen normalen Alltag. Sie entwickeln jedoch zwangsläufig andere Tagesabläufe. Logistische oder bürokratische Anforderungen machen ihren Alltag anstrengender. Vor allem Therapien sind zeitintensiv. Eltern müssen darüber hinaus den „Schicksalsschlag“ bewältigen, dass ihr Kind Pflege braucht – das geht nicht von heute auf morgen.

Wie erklären Eltern Geschwistern, dass ein pflegedürftiges Kind mehr Zuwendung braucht?

Die Eltern sollten offen mit den betroffenen Geschwistern sprechen und ihnen erklären, warum sie mehr Zeit mit dem pflegebedürftigen Kind verbringen. Sie sind aber nicht die Einzigen, die Kindern den veränderten Familienalltag verständlich machen können. Andere Verwandte oder Patinnen und Paten, die von gemeinnützigen Organisationen vermittelt werden, können wichtige Vertrauenspersonen für Geschwister sein.

Wichtig ist, dass Eltern sich frühzeitig Auszeiten nehmen.Claudia Groth, Vorsitzende von Kinder Pflege Netzwerk e.V.

Wie gelingt Eltern die Einbindung pflegebedürftiger Kinder?

Die Inklusion in der Familie ist in der Regel das kleinste Problem. Eltern versuchen instinktiv, ihrem Kind die Teilhabe zu ermöglichen. Anders sieht es dagegen außerhalb der Familie aus: Inklusion ist eine Haltung, die bei vielen Menschen nicht ausreichend vorhanden ist. Sie will erreichen, dass jeder Mensch überall dabei sein kann, am Arbeitsplatz, beim Wohnen oder in der Freizeit – ganz unabhängig davon, ob er eine Behinderung hat oder nicht.

Wie schaffen es Eltern trotz intensiver Pflege, Zeit für sich zu finden?

Wichtig ist, dass Eltern sich frühzeitig Auszeiten nehmen. Selbst dann, wenn sie glauben, dass sie keine Erholung brauchen. Die Pflegeversicherung entlastet pflegende Angehörige auf verschiedene Weise. Zum Beispiel ist das Pflegegeld dafür vorgesehen, die häusliche Pflege selbst zu organisieren und notwendige Auszeiten zu ermöglichen.

Wie lange sollten Auszeiten dauern?

Sie müssen nicht gleich eine längere Zeitspanne pausieren. Schon die stundenweise Entlastung von der Pflege kann die eigene Regeneration unterstützen. Eltern ist es so möglich, ihre Hobbys auszuüben oder Sport zu machen. Auch die angesprochenen Patinnen und Paten sorgen für Freiräume. Kuren mit und ohne Kinder helfen ebenfalls beim Kräftesammeln.

Wie fährt eine Familie mit Pflegefall in den Urlaub?

Je nachdem, welche Unterstützung das betroffene Kind braucht, sehen die Vorbereitungen sehr unterschiedlich aus: Muss ein Kind beatmet oder medizinisch versorgt werden, ist es möglich, dass Pflegekräfte die Familie in den Urlaub begleiten. Eltern können barrierefreie Hotels und Feriendomizile über die Touristeninformation oder spezielle Reiseportale recherchieren. Familien haben auch die Möglichkeit, in der Nähe ihres Urlaubsorts nach stationärer Kurzzeitpflege zu suchen.

Können pflegebedürftige Kinder alleine reisen?

Träger der Behindertenhilfe bieten Reisen für Kinder und Jugendliche an, die besondere Betreuung und Pflege benötigen. Sie können eine wichtige Erfahrung sein, um die spätere Loslösung vom Elternhaus zu erleichtern. Das passende Urlaubsangebot zu finden, ist allerdings mit Aufwand verbunden. Eltern sollten früh mit der Suche beginnen, da die Nachfrage das Angebot häufig übersteigt.

 

 

Claudia Groth ist Mutter zweier Kinder. Ihre jüngere Tochter Katharina hat den Pflegegrad 5. Mitte 2009 stellte sie mit Hilfe von Freunden den „Kinder Pflege Kompass“ ins Netz und gründete im Herbst 2010 den Verein „Kinder Pflege Netzwerk e.V“.