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Mädchen beim Kinderarzt
Vertrauen ist wichtig

 

 

Kinderarzt: So finden Eltern den richtigen Mediziner

Nur ein Kinderarzt ist speziell für die Betreuung und die Behandlung von Kleinkindern und Jugendlichen ausgebildet. Von Geburt an begleitet der Kinder- und Jugendarzt seine Patienten bis zur Volljährigkeit. Das sollten Eltern bei der Wahl eines Arztes beachten.

Viele Eltern entscheiden sich bei der Wahl des Kinder- und Jugendarztes für eine Praxis in der Nähe. „Es kann sinnvoll sein, dass Sie den Arzt um die Ecke haben, gerade weil Kleinkinder häufig krank sind“, sagt AOK-Expertin Dr. Renate Quarg, selbst Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin.

  • Freundliche Ärzte und Mitarbeiter: Neben räumlicher Nähe und Fachkompetenz ist gerade im Umgang mit kleinen Patienten das persönliche Auftreten des Arztes wichtig. „Freundlichkeit, Geduld, Einfühlungsvermögen, Aufmerksamkeit und die Fähigkeit, Kindern Angst zu nehmen, machen einen guten Kinderarzt aus“, erklärt Dr. Quarg.

Kinder- und Jugendmediziner – die Fakten

14.162 Kinder- und Jugendärzte gab es 2015 in Deutschland

 

 

8.115 Kinder- und Jugendmediziner sind laut Bundesärztekammer weiblich

 

 

  • Angenehme Atmosphäre: Auch die Gestaltung der Praxis selbst lässt Rückschlüsse zu. Freundliches Personal sowie eine angenehme Atmosphäre sind wichtig. Ob ein Mediziner Eltern für den Notfall seine private Telefonnummer gibt, ist nicht unbedingt ein Kriterium. Denn in Städten und Gemeinden stehen oft rund um die Uhr Kindernotdienste zur Verfügung.
  • Kurze Wartezeiten wünschenswert: „Wenn Sie einen Termin haben, sind kurze Wartezeiten natürlich wünschenswert“, betont Dr. Renate Quarg. In Grippe- und Erkältungszeiten könne sich der Zeitplan aber schon mal nach hinten verschieben. Wie schnell Eltern einen Termin bekommen, ist je nach Region unterschiedlich. Gerade in Ballungsräumen haben Eltern nur selten die Chance auf einen kurzfristigen Kontrolltermin, weil die Kinderärzte schlicht ausgebucht sind.

  • Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen: Mit der Suche nach einem Kinderarzt sollten Eltern noch vor der Geburt ihres Kindes beginnen – insbesondere, wenn sie eine ambulante Geburt planen. Denn die ersten zwei Vorsorgeuntersuchungen stehen bereits in den ersten zehn Lebenstagen Ihres Babys an. Nutzen Sie die Möglichkeit, sich im Freundes- oder Bekanntenkreis umzuhören, um durch Empfehlungen den passenden Arzt zu finden.
  • Arztwechsel mitunter schwierig: Zwar ist ein Wechsel des Arztes zu einem späteren Zeitpunkt theoretisch möglich, aber insbesondere in Großstädten nicht immer einfach. „Es kann sein, dass ein beliebter Kinderarzt keine Patienten mehr annimmt“, gibt Quarg zu bedenken. Akute Fälle müsse er zwar behandeln. „Aber die Aufnahme eines Kindes in den Patientenstamm oder die Durchführung von Vorsorgeuntersuchungen ist keine Pflicht.“

Teenager sollten bei der Wahl ihres Arztes mitreden dürfen.Dr. Renate Quarg, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin
  • Häufige Arztbesuche: Neben den obligatorischen Vorsorgeuntersuchungen U1 bis U11 sowie J1 und J2 sind Kinder- und Jugendärzte für Impfungen, Reiseschutz und natürlich Erkrankungen zuständig. „Akute Krankheiten sind der häufigste Grund für einen Praxisbesuch“, erklärt Renate Quarg. „Vor allem wenn die Kinder in die Kita oder den Kindergarten kommen, haben sie sehr viele Infekte – zum Teil monatlich oder sogar wöchentlich.“

  • Vertrauen ist wichtig: Wachsen die Kinder zu Jugendlichen heran, wird das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Mediziner immer wichtiger. Teenager sollten bei der Wahl ihres Arztes mitreden dürfen. Einige Kinder- und Jugendärzte bieten spezielle Sprechstunden an, in die junge Patienten ohne Eltern kommen können.
  • Weniger Praxen auf dem Land: Bei Familien, die auf dem Land leben, ist das allerdings oft gar nicht möglich. Denn nicht in jeder Gemeinde gibt es eine Kinderarztpraxis. In solchen Fällen können sich die Eltern ohne Bedenken an Ihren Hausarzt wenden. Zu seiner Ausbildung gehört auch die medizinische Betreuung von Kindern.

Fazit

Der Kinder- und Jugendarzt begleitet seine Patienten meist vom Tag der Geburt bis zum Ende des 18. Lebensjahres. Es gibt neben der Fachkompetenz wenig objektive Kriterien für die Wahl des passenden Mediziners. Eltern wie Kinder sollten sich in der Praxis gut aufgehoben fühlen und ihrem Kinderarzt vertrauen.

 

Dr. Renate Quarg ist Fachärztin für Kinder– und Jugendmedizin. Für den medizinischen Informationsservice AOK-Clarimedis in Köln berät die Gesundheitsexpertin häufig junge Eltern, Großeltern oder Verwandte in praktischen Alltagsfragen.