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Mädchen mit rosa Socken steht auf der Waage
Magersucht – eine psychische Krankheit

Magersucht: Wenn Kinder und Jugendliche hungern

Magersucht oder Anorexie gehört wie Bulimie zu den Essstörungen. Die erkrankten Mädchen oder Jungen leiden an starkem Untergewicht, finden sich aber trotzdem zu dick und leben in ständiger Angst, dass sie zunehmen könnten. Viele spüren den Drang, durch Diät, Sport oder Medikamente immer weiter abzunehmen. In schweren Fällen hungern sie sich zu Tode. 

Häufig beginnen Essstörungen wie Magersucht bei Jugendlichen oder Erwachsenen mit dem Wunsch, schlanker zu sein. Lea ist seit Monaten auf Diät. Ihre Eltern machen sich Sorgen, weil die 15-Jährige schon ganz abgemagert ist. Lea hat fest vor, noch mehr Gewicht zu verlieren. Wie die meisten Magersüchtigen nimmt sie ihren Körper anders wahr als Außenstehende und fühlt sich dick, obwohl sie dünn ist.

Was ist Magersucht?

Magersucht ist eine psychische Erkrankung, die in erster Linie Mädchen und junge Frauen betrifft. Am häufigsten ist die Essstörung bei Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren. Sie tritt jedoch auch bei Kindern und Erwachsenen auf. Jungen und Männer erkranken zehnmal seltener an Magersucht, dafür verläuft die Krankheit oft schwerer.

Der medizinische Fachbegriff für die seelisch bedingte Verhaltensstörung lautet Anorexie oder Anorexia nervosa. Das heißt übersetzt so viel wie „nervlich bedingte Appetitlosigkeit“. Dabei haben Magersüchtige durchaus Hunger. Sie versuchen aber, ihren Appetit zu kontrollieren und zu unterdrücken.

Im Vergleich zu anderen psychischen Erkrankungen hat Anorexie eine hohe Sterberate.Dr. med. Astrid Maroß, Ärztin für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie


Betroffene verlieren kontinuierlich an Gewicht und haben trotzdem große Angst, zuzunehmen. Ihre Gedanken kreisen pausenlos ums Essen – Fett, Zucker und andere Kalorien vermeiden sie, wo es nur geht. Sie halten strikte Diät, treiben sehr viel Sport oder greifen zu Abführmitteln, Appetitzüglern oder Entwässerungstabletten, um kein Gewicht zuzulegen.

Das Internet kann gefährdeten und betroffenen Kindern und Jugendlichen schaden. Lea fand dort Communitys wie Pro Ana, die Magersucht nicht als schwere Krankheit sehen, sondern als Lifestyle idealisieren und verharmlosen. Betroffene ermutigen sie zu noch mehr Gewichtsverlust.

Dagegen moderieren Experten Seiten wie hungrig-online.de. Hier können Magersüchtige sich informieren und erhalten Tipps, wie sie einen Weg aus der Essstörung finden. Auch die AOK bietet mit dem Ratgeber-Forum Ernährung Hilfe und Unterstützung.

Anorexie, Bulimie und Binge Eating

Zu den Essstörungen gehören neben der Anorexie auch die Ess-Brech-Sucht Bulimie und die Ess-Sucht, die sogenannte Binge Eating Disorder. 

Bei einigen Betroffenen treten die drei Störungen als Mischform auf: Sie wechseln sich ab und gehen ineinander über. Viele Anorexie-Betroffene essen wie Lea trotz Untergewicht möglichst wenig. Andere Magersüchtige haben Essattacken, nach denen sie sich übergeben, um unerwünschte Nährstoffe wieder loszuwerden.

Anorexia nervosa – Zahlen und Statistik

8079 Fälle von Magersucht wurden 2015 in deutschen Krankenhäusern behandelt.
75 Menschen mindestens sind 2015 in Deutschland an Anorexie gestorben.
21.9 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland im Alter von 11 bis 17 Jahren zeigen Symptome einer Essstörung.

Nach Essanfällen ergreifen Bulimie-Kranke Gegenmaßnahmen, um möglichst nicht zuzunehmen: Sie erbrechen sich, treiben exzessiv Sport, nehmen Abführmittel oder nutzen Einläufe. Bei der Binge Eating Disorder stopfen die Erkrankten ebenfalls unkontrolliert Nahrungsmittel in sich hinein – aber ohne anschließende Gegenmaßnahmen. Auf längere Sicht ist deshalb häufig Übergewicht die Folge.