Die AOK-Initiative für Familien
Junge mit Masern
Keine harmlose Kinder­krankheit

Masern müssen nicht sein

Katharina sitzt mit einer Kollegin beim Mittagessen, als ihr Handy klingelt. „Das ist die Kita, ich muss kurz rangehen“, entschuldigt sie sich. „Hm, alles klar, ich komme vorbei“, sagt sie und legt auf. An Masern denkt sie in diesem Moment noch nicht.

Eine Woche nach der Ansteckung: 15. Februar, 13:50 Uhr, Kita

Paula sitzt unbeteiligt am Tisch. „Sie hustet den ganzen Morgen und fühlt sich schlapp“, sagt die Erzieherin. „Mensch Süße, du machst ja Sachen.“ Katharina nimmt ihre Tochter in den Arm und denkt sich: „Erkältung im Anmarsch“. „Dann fahren wir mal nach Hause und packen dich ins Bett“, ermuntert sie Paula.

Bevor die beiden in ihre Jacken schlüpfen, nimmt die Erzieherin Katharina einen Moment beiseite. „Du weißt ja, wir hatten kürzlich zwei Masernfälle. Die Viren können beim Sprechen, Niesen oder Toben übertragen werden“, warnt sie. Katharina nickt. „Mal sehen. Wenn’s schlimmer wird, gehe ich mit ihr zum Kinderarzt“, antwortet sie.

Masern Vorstadium: 15. Februar, 19:20 Uhr, Wohnzimmer

Paula ist eingeschlafen. Sie hat Husten, Schnupfen und Kopfweh und wollte zum Abendbrot kaum was essen. Katharina sitzt auf dem Sofa und tippt auf ihrem Smartphone. „Wonach suchst du?“, fragt Philipp. „Ach nichts“, antwortet Katharina. „Ich mache mir Sorgen, weil Ben aus der Kita Masern hat.“ „Aber Paula ist doch geimpft“, beruhigt Philipp seine Frau.

Masern sind eine Krankheit, die durch Viren hervorgerufen wird. Was als vermeintliche Kinderkrankheit gilt, sind gefährliche Erreger, die Krankheiten wie Mittelohr- oder Lungenentzündungen hervorrufen können – auch bei nicht geimpften Erwachsenen, liest Katharina und denkt: „Zum Glück sind wir immun. Philipp und ich hatten als Kinder beide die Masern.“

Eine Masern­infektion ist keine harm­lose ‚Kinder­krankheit’, denn bei etwa jedem zehnten Betrof­fenen treten Kompli­kationen auf.Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

17. Februar, 08:45 Uhr, Küche

„Masern beginnen mit Schnupfen, Husten und Fieber. In der Regel dauert es zwischen acht und zwölf Tagen, bis sich nach einer Ansteckung die ersten Symptome zeigen“, googelt Katharina. Heute Morgen ist Paula mit Fieber und Beschwerden im Mund- und Rachenraum aufgewacht. Beim Weiterlesen stellt Katharina fest, dass es sich um typische Symptome handelt. Philipp ruft beim Kinderarzt an und Katharina macht sich derweil auf die Suche nach Paulas Impfpass.

17. Februar, 14:10 Uhr, Kinderarztpraxis

„Fast alle, die Infizierten zu nahekommen, stecken sich mit Masern an,“ erklärt der Kinderarzt im Gespräch. „In winzigen Speichel-Tröpfchen verteilen sich die Erreger in der Luft und werden so von gesunden Menschen eingeatmet.“ Paulas Rachen ist entzündet, die Bindehaut ihrer Augen gerötet. Sie blinzelt mit tränenden Augen in die Wintersonne. 

Der Arzt verordnet Bettruhe und empfiehlt Katharina, Paulas Kinderzimmer abzudunkeln. Antibiotika verschreibt er keine: „Gegen Viren wirken Antibiotika nicht. Erst, wenn zusätzlich eine bakterielle Infektion auftritt, sind sie hilfreich. Wir können jetzt nur abwarten.“ Weil Masern das Abwehrsystem schwächen, ist Paulas Körper jetzt ungefähr sechs Wochen lang anfällig für andere Krankheiten wie Bronchitis, Mittelohr- oder Lungenentzündung.

Paulas Impfpass hat gezeigt, dass sie mit 13 Monaten planmäßig gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) geimpft wurde. Eigentlich hätte der Kinderarzt Paula vor ihrem zweiten Geburtstag noch eine Spritze verabreichen müssen. Die zweite Kombinationsimpfung haben ihre Eltern aber schlichtweg vergessen – nicht ohne Folgen.

Wie lange sind Masern ansteckend?

Fünf Tage vor dem Sichtbarwerden des roten Hautausschlags und vier Tage nach seinem Auftauchen ist die Ansteckungsgefahr am größten. Hat ihr Kind die Masern einmal überstanden, kann es sich sein Leben lang nicht mehr damit anstecken.

Masern Hauptstadium: 19. Februar, 11:15 Uhr, Kinderzimmer

Wie vom Kinderarzt vorhergesagt, ist Paulas Fieber wieder gestiegen. Philipp hat am Morgen kleine rötlichbraune Flecken hinter Paulas Ohren entdeckt. Sie sind zwischen drei und sechs Millimeter groß und breiten sich erst im Gesicht und dann allmählich über den ganzen Körper aus. Der Hautausschlag ist das bekannteste Anzeichen für eine Maserninfektion. Paula muss weiter das Bett hüten und darf nicht in den Kindergarten gehen.

Masern Erholungsphase: 25. Februar, 08:15 Uhr, Kinderarztpraxis

Sechs Tage später sind der Ausschlag und die anderen Symptome verschwunden. Eine Woche soll Paula sich noch zu Hause erholen, dann darf sie wieder in den Kindergarten, sagt der Kinderarzt.

6. März, 07:00 Uhr, Kita

„Zum Glück sind keine Komplikationen aufgetreten“, erzählt Philipp in der Kita erleichtert. Ben ist der Erste, der Paula beim Morgenkreis fröhlich begrüßt.