Die AOK-Initiative für Familien
Tod, Weihnachtsmann und Fehler: Wann bin ich ehrlich zu meinem Kind und erzähle ihm die Wahrheit? Ehrlichkeit braucht Vertrauen
Wahrheit oder Notlüge?

 

 

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Ehrlich sein – wann die Wahrheit Pflicht ist

Gerade bei der Beurteilung ihrer lieben Kleinen scheuen viele Eltern die Wahrheit. Doch im Umgang mit Kindern ist Aufrichtigkeit von großer Bedeutung. Im Alltag gibt es immer wieder Situationen, in denen Eltern ihrer Verantwortung gerecht werden können, indem sie die Wahrheit sagen. Schwindeln in der Erziehung hilft nicht.

Umgang mit Geschenken 

Selbstgemalte Bilder oder Selbstgebasteltes gehören zu den beliebtesten Präsenten, die Kinder ihren Eltern machen. Und häufig loben Mama oder Papa das Geschenk in höchsten Tönen – auch wenn nicht besonders schön ist. „Wenn das Bild dem Alter des Kindes entspricht, ist es ein tolles Geschenk“, findet AOK-Expertin Mechthild Witte. „Aber wenn ein Zehnjähriger als Geschenk ein lieblos und flüchtig gemaltes Bild auf Kindergartenniveau überreicht, kann ich im Hinblick auf die fehlende Wertschätzung meine Enttäuschung deutlich machen. Denn das Kind erwartet zu recht auch ein altersgerechtes Geschenk und möchte zum Beispiel mit keiner Rassel an seinem Geburtstag abgespeist werden.“

Umgang mit Ritualen

Der Weihnachtsmann, der Nikolaus, die Zahnfee oder der Osterhase – wenn Kinder beschenkt werden, ist oftmals ein mystisches Wesen im Spiel. „Die Rituale zu Feiertagen sind schön“, sagt Witte. „Aber in dem Moment, in dem bei den Kindern Zweifel aufkommen, sollte man bitte mit der Wahrheit auf den Tisch.“ Wer versucht, die Zweifel zu zerstreuen, läuft Gefahr, den Nachwuchs in seinem Urteilsvermögen zu verunsichern. Auch wenn es für manche Eltern hart sein mag, weil sie selbst Freude an den Ritualen haben: Eine Lüge ist keine Hilfe, sie richtet eher Schaden an.

Umgang mit Spielsituationen

Kinder lieben Spiele – wenn die Eltern mitmachen, umso mehr. Damit das so bleibt, sollten Eltern Strategiespiele vermeiden, bei denen sie auf jeden Fall gewinnen würden. Würfelspiele, bei denen der Zufall entscheidet, eignen sich da besonders gut. Denn Kids merken schnell, wenn man sie nur gewinnen lässt. „Almosen kommen aber nicht gut an“, weiß Mechthild Witte. „Und Kinder müssen auch das Verlieren lernen, das ist wichtig für die Entwicklung der Frustrationstoleranz.“ In späteren Jahren kann die Auswahl der Spiele wesentlich freier erfolgen.Eltern spüren dann nämlich häufig die Grenzen der eigenen Frustrationstoleranz.

Umgang mit Streitigkeiten

Dass Eltern sich zanken, kommt vor. „Kinder dürfen das auch mitbekommen“, sagt Witte. „Wichtig ist allerdings, den Kids zu vermitteln, dass das nichts mit ihnen zu tun hat.“ Der Streit ist ausschließlich Sache von Mama und Papa respektive der Betroffenen. Und selbst wenn sich die Partner irgendwann trennen, ist ein offener Umgang damit angebracht. „Oft geht das nur in wohldosierten Häppchen, aber zu sagen, alles wäre gut, geht nicht“, betont Witte. „Denn Kinder spüren intuitiv ganz genau, dass das nicht die Wahrheit ist.“

Umgang mit Fehlern

Fehler einzugestehen, ist nicht immer leicht. Gerade Eltern versuchen bisweilen, ein Bild der Perfektion abzugeben. Dabei sind Fehler und Schwächen wichtig, so Witte: „Wenn man selbst keine macht, fühlt sich das Kind daneben mit seinen Fehlern klein und minderwertig.“ Wenn Eltern Schwächen zeigen, Fehler zugeben und sich entschuldigen können, ist das deshalb auch für die Kids von großer Bedeutung. Nur so trauen sie sich, Fehler zu machen und diese auch einzugestehen.

Umgang mit Todesfällen

Ein schwieriges Thema, das Erwachsene im Beisein von Kindern gern vermeiden, ist der Tod. Doch gerade, wenn ein naher Verwandter stirbt, hat ein offener Umgang damit große Bedeutung. „Es ist wichtig, die Gelegenheit zum Abschiednehmen zu geben“, erklärt Mechthild Witte. „Viel schlimmer ist es, den Tod eines nahestehenden Menschen mit all den damit verbundenen Emotionen und Tränen zu unterdrücken.“ Denn Kinder beziehen alles, was um sie herum passiert, auf sich und brauchen daher Erklärungen, damit sie sich nicht schuldig fühlen, wenn eine geliebte Person plötzlich nicht mehr da ist. Selbst für Kindergartenkinder kann eine Beerdigung mehr Hilfe als Zumutung sein. Kids gehen sehr natürlich und unbefangen mit der Situation um, die Bewertung und Emotionalität übernehmen sie von den Erwachsenen. Eltern sollten lernen, die Bedürfnisse ihres Kindes zu respektieren. Und wenn es eine Situation wie eine Beerdigung verlassen möchte, sollten sie dem Wunsch entsprechen.

Kinder brauchen Wahrheit

Kinder vertragen Wahrheit nicht nur, sie brauchen sie. Denn nur so entwickelt sich eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Eltern und Kindern, und nur so können Kids ihrerseits einen verantwortungsvollen Umgang mit der Wahrheit entwickeln.

Mechthild Witte ist Diplom-Sozialpädagogin und Diätassistentin. Sie arbeitet seit mehr als 20 Jahren für die AOK, unter anderem im AOK Ratgeber-Forum Eltern & Kind. Ihre Schwerpunktthemen sind Ernährung und Erziehung.