Die AOK-Initiative für Familien
Hilfe, mein Kind – mein Sohn oder meine Tochter – ist in der Pubertät. Die Pubertät ist eine schwierige Zeit für Eltern, Kinder und Familie. Was bewirken Verbote und was muss ich erklären?
"Verbote vermeiden und Wünsche formulieren"

 

 

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Pubertät: Jungen und Mädchen im Konflikt mit den Eltern. Was hilft?

Die Pubertät ist häufig eine schwierige Zeit – für Kinder und Eltern. Das Zusammenleben ist konfliktreich. Immer wieder gibt es Streit und Diskussionen um Grundsätzliches: die Nutzung des Computers oder das Aufräumen. Doch was hilft? Ist es mit einseitigen Verboten getan oder braucht es Dialog? Die AOK-Expertin Mechthild Witte beantwortet im Interview die wichtigsten Fragen zu Erziehung und Verboten in der Pubertät.

Die Pubertät ist eine Phase voller Konflikte zwischen Eltern und Kind. Ist es ratsam, das bewusste Überschreiten von Grenzen zu einem gewissen Grad zu tolerieren?

Für alle Beteiligten ist die Pubertät eine absolute Herausforderung. Dennoch muss oberste Priorität sein, im Gespräch zu bleiben. Hierfür ist es wichtig, das Hinterfragen und Missachten von Regeln ein Stück weit zu akzeptieren. Allerdings nur bis zu einer gewissen Grenze: Verbale Angriffe auf der persönlichen Ebene sind tabu, verletzen nachhaltig und sollten auf keinen Fall toleriert werden! Wer seinem Kind respektvoll begegnet, kann auch Respekt erwarten. 

Wie setze ich klare Regeln durch, die das Kind akzeptiert?

Klare Regeln bedürfen einer klaren Formulierung und sind auf das Alter des Kindes zugeschnitten. Bestehende Regeln gilt es ständig zu hinterfragen und gegebenenfalls altersgemäß zu aktualisieren. Diese sollten Eltern und Kinder optimalerweise gemeinsam festlegen – in einem Dialog auf Augenhöhe. Hilfreich ist dabei die „VW-Regel“: Verbote vermeiden und Wünsche formulieren, und zwar als Ich-Botschaft. Ausgenommen aus dem Gespräch sind Grundsätze, die nicht verhandelbar sind, auch das muss der Jugendliche begreifen.

Das Durchleben dieser Konse­quenzen schafft wesentlich mehr Einsicht.Diplom-Sozialpädagogin Mechthild Witte

 

Und wenn das Kind gegen genau diese Regeln verstößt? 

Mutter und Vater bringen die eigenen Gründe für ihre Bedenken ein und fragen den Pubertierenden, was er an ihrer Stelle täte. Es ist unabdingbar, die Argumente des Kindes zu hören, andere Sichtweisen zu überprüfen und diese auch gelten zu lassen. Bestimmte Grundsätze stehen jedoch für sich: Über die Inhalte des Jugendschutzgesetzes brauchen Eltern nicht diskutieren. Schlussendlich ist auch hier wieder die VW-Regel hilfreich.

Das Drohen mit Strafen ist also erst recht nicht ratsam?

Ich sehe Sanktionen kritisch. Das heißt aber nicht, dass das Kind die Konsequenzen seines Handels nicht spüren sollte. Im Gegenteil: Überfürsorgliche Eltern sollten aufhören, jeden Fehler für ihr Kind auszubügeln. Das beginnt im täglichen Umgang: Wenn der Jugendliche ausgehen möchte und keine saubere Kleidung mehr im Schrank hat, weil er sie nicht in die Wäsche legt, dann hat er halt keine frischen Sachen. 

Wenn er trotz mehrmaligem Rufen nicht aufsteht, kommt er halt zu spät zur Schule. Der Schnellstart der Waschmaschine oder der Kavalierstart mit dem Auto, um es noch pünktlich zu schaffen, ist keine Lösung – wozu soll dann der Jugendliche sein Verhalten ändern? Das Durchleben dieser Konsequenzen schafft wesentlich mehr Einsicht.

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