Die AOK-Initiative für Familien
Eine gute Beziehung zwischen Eltern und Kind ist wichtig. Die Erwartungen an Mutter und Vater sind hoch.
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Kindererziehung: Eltern sind oft besser als sie selber glauben

Viele junge Paare machen sich mit hohen Ansprüchen das Elternleben selbst schwer. Laut einer Studie glauben 80 Prozent der 20- bis 39-Jährigen, dass sie bei der Kindererziehung viel falsch machen können. Ein Viertel ist sogar der Überzeugung, dass die eigenen Bedürfnisse hinter denen des Kindes zurückstehen sollten. 

Eltern werden ist nicht schwer, Eltern sein dagegen sehr. Zumindest in ihrer eigenen Wahrnehmung sehen sich viele junge Väter und Mütter Voraussetzungen und Bedingungen ausgesetzt, die eine optimale Erziehung nahezu unmöglich machen. 

Druck der Gesellschaft

Den Start ins Familienleben erschweren sich viele Eltern mit hohen Ansprüchen an die eigene Rolle und das Umfeld, in dem ihre Kinder aufwachsen sollen. Über die Hälfte der jungen Erwachsenen setzen für die Familiengründung eine materielle Absicherung voraus. Zudem ist für sie die Berufstätigkeit der Frau eine weitere Bedingung. Das ergab eine bundesweite repräsentative Leitbildstudie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB).

Der Erhebung zufolge meint rund ein Viertel der befragten 20- bis 39-Jährigen, dass Eltern ihre eigenen Bedürfnisse komplett hinter die ihrer Kinder zurückstellen sollten. Und beinahe die Hälfte der gesamten Gesellschaft nimmt einen starken Druck auf Eltern wahr, sich für den Nachwuchs aufzuopfern. Schlagwörter wie „Helikoptereltern“ in der öffentlichen Debatte suggerieren den Eindruck, Vater oder Mutter sein wäre eine große, schwer zu bewältigende (Lebens)Aufgabe, die Eltern alles abverlangt. Es erscheint so, als ob nach der Geburt die Karriere, das Kind, die eigenen Bedürfnisse – besser gesagt: alles – zu kurz kommen.

Wie sieht das ideale Familienleben aus?

„In Deutschland dominiert eine Kultur des Bedenkens, Zweifelns und Sorgens im Hinblick auf Elternschaft, obwohl der Wunsch nach einem eigenen Kind groß ist“, erklärt der Direktor des BiB, Prof. Dr. Norbert F. Schneider. Das anhaltend niedrige Geburtenniveau in Deutschland mag ein Hinweis darauf sein, dass die Skepsis junger Paare einer Familiengründung im Weg steht. Bisher ist allerdings wenig darüber bekannt, welche Leitvorstellungen junge Menschen heute haben, wenn sie an Kinder denken. Die Leitbildstudie des BiB bietet einen Überblick über das „ideale“ Familienleben:

Elternleitbilder und Wirklichkeit klaffen auseinander

Die Leitbilder für den Alltag von Eltern sind häufig widersprüchlich. So leben immerhin 28,5 Prozent der Befragten, die ein Rollenverständnis mit dem Vater als Ernährer und der Mutter als Hausfrau ablehnen, das männliche Alleinverdienermodell. Zwei Gründe dafür sind die nach wie vor unzureichend ausgebaute Kinderbetreuungsinfrastruktur sowie die Mechanismen der Wirtschaft, die Müttern den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt erschweren.

Hohe Erwartungen an Mütter

Gerade der Druck auf die Frauen ist der Studie zufolge hoch. Mehr als drei Viertel der Befragten sind der Ansicht, dass Mütter nachmittags Zeit haben sollten, um ihren Kindern beim Lernen zu helfen. Innerhalb der gesamten Gesellschaft nehmen sogar rund 87 Prozent wahr, dass es diese Erwartung an Mütter gibt.

Akzeptanz der Krippenbetreuung

Eine externe Betreuung von unter Dreijährigen ist in Deutschland prinzipiell akzeptiert, im Westen allerdings tendenziell erst dann, wenn Kinder bereits älter sind und nicht ganztags betreut werden. Offenbar haben Teile der westdeutschen Gesellschaft ein Problem mit der Vorstellung, dass die kleinsten Kinder fremdbetreut werden.

Väter wollen ernähren und erziehen 

Vor allem Männer glauben heute oft, beides sein zu müssen: Der „klassische“ Vater, der das Familieneinkommen bestreitet, und der „moderne“ Vater, der sich gleichberechtigt in die Betreuung und Erziehung der Kinder einschaltet. Die Vereinbarkeit beider Ansprüche ist für Männer ein wichtiges Thema, zumindest bis zur Geburt. Danach verändern sich im Alltag häufig die Vaterleitbilder, es droht eine Retraditionalisierung: Sowohl Väter als auch Mütter sehen im männlichen Elternteil dann wieder eher den Ernährer der Familie. 

Fazit 

Die Ergebnisse der BiB-Studie lassen darauf schließen, dass der Kinderwunsch stark von der Erwartungshaltung an Eltern abhängt: Je höher das Anspruchsniveau, desto niedriger der Antrieb, eine Familie zu gründen. „Der Wunsch nach Perfektion erschwert Elternschaft“, erklärt Prof. Dr. Norbert F. Schneider.