Die AOK-Initiative für Familien
Kind bezahlt mit seinem Taschengeld
Wie viel Taschengeld ist wann sinnvoll?

  

  • Erziehung
  • Taschengeld
  • Sparen

Taschengeld – die wichtigsten Tipps für Eltern

Taschengeld hat viele Vorteile: Kinder lernen zu wirtschaften und entwickeln ein Gefühl für den Wert von Produkten. Doch viele Eltern sind unsicher, wie viel Geld wann angemessen ist. Mechthild Witte, Expertin für Erziehungsfragen im AOK Ratgeber-Forum Eltern & Kind gibt Tipps im Interview.

Warum brauchen Kinder Taschengeld?

Kinder üben damit den eigenverantwortlichen Umgang mit Geld. Sie entwickeln ein Gespür für den Wert von Produkten und verstehen, dass es bestimmte Sachen umsonst gibt, sie andere aber bezahlen müssen.

Wann sollten Eltern das erste Taschengeld zahlen?

Ich finde, Eltern können kleinere Geldbeträge geben, wenn die Kinder anfangen, zu rechnen. Erst dann sind sie in der Lage, Begriffe wie Wert und Gegenwert zu begreifen. Meist ist das in der Grundschule der Fall.

Wie viel Taschengeld ist in welchem Alter sinnvoll? Hilft eine Taschengeldtabelle?

Zunächst hängt die Höhe des Taschengeldes davon ab, wie viel Geld die Familie zur Verfügung hat. Bei der Festlegung der Summe finde ich es sinnvoll, sich im Bekanntenkreis umzuhören. Wenn Eltern sich untereinander absprechen, verhindern sie, dass ein Kind über viel mehr Geld verfügt als seine Freunde. Eine Notlösung sind Taschengeldtabellen, die ebenfalls Taschengeldempfehlungen geben.

In welchem Rhythmus sollten Kinder Taschengeld bekommen?

Bei Jüngeren würde ich es wöchentlich auszahlen. Ab der vierten oder fünften Klasse können Eltern ein Taschengeldkonto einrichten. Darauf überweisen sie dann monatlich eine festgelegte Summe. Das Kind kann je nach Bedarf Geld abheben und lernt so einen Handlungsplan: Wer Geld ausgeben möchte, muss vorher zur Bank – ist das Konto leer, gibt es nichts mehr!

Es ist lehrreich, wenn das Geld auch mal zu Beginn des Monats weg ist.Diplom-Sozialpädagogin Mechthild Witte

Eine häufig diskutierte Frage: Was müssen die Kleinen vom Taschengeld bezahlen?

Sie bezahlen die Sachen, die sie zusätzlich anschaffen möchten. Süßigkeiten gehören nicht dazu. Die sollten im Haushalt in geregelten Maßen vorhanden sein. Wenn der Nachwuchs jedoch mit Freunden Eis essen geht, sollte er die Kugeln von seinem Taschengeld bezahlen. Ältere bekommen die Grundausstattung von zu Hause – wie etwa die Ausrüstung für den Sport. Wenn es darüber hinaus ganz bestimmte Schuhe sein sollen, können Eltern das Portemonnaie stecken lassen. Oder sie einigen sich auf Anschaffungen, zu denen der Jugendliche einen Teil beisteuert.

Ist das Reinreden in die Ausgaben der Kinder legitim?

Nein, das Taschengeld gehört dem Kind und dient dazu, eigene Erfahrungen zu sammeln. Es ist lehrreich, wenn das Geld auch mal zu Beginn des Monats weg ist. Die Kids müssen sich verkalkulieren und die Konsequenzen spüren dürfen. „Siehst du!“ und andere selbstgefällige Kommentare der Eltern sind wenig hilfreich. Auch sollten leere Kassen auf keinen Fall mit einem nachsichtigen Lächeln aufgebessert werden! Nur dann entwickeln die Kinder auch Eigenverantwortlichkeit.

Leiden Kinder, wenn Eltern kein Taschengeld zahlen können?

Wenn die Knappheit ein Tabuthema ist, beeinflusst sie Kinder negativ. Eltern können deutlich machen, dass sie gerne Taschengeld bezahlen würden, es aber gerade nicht geht ? oder eben weniger als bei den Freunden. Ich persönlich glaube, dass Eltern immer in der Lage sind, eine geringe Summe zu zahlen. Aber: Nichts ist schlimmer als Eltern, die sich das Taschengeld vom Mund absparen. Sie vermitteln eine falsche Sozialkompetenz und sind zwangsläufig unzufrieden. Oft entsteht zudem eine ungesunde Erwartungshaltung: "Jetzt mache ich schon alles, damit du dein Taschengeld bekommst, dafür kannst du auch …"

Ein konstruktives Gespräch ist wichtig.Diplom-Sozialpädagogin Mechthild Witte

Können Eltern in dieser Situation weiterhelfen?

Ein konstruktives Gespräch ist wichtig: „Wir sehen, dass du weniger hast als deine Freunde. Wie können wir das Problem lösen? Wie können wir dich unterstützen? Sollen wir dir einen kleinen Job suchen? Zeitungsaustragen oder Ähnliches?“ So nimmt das Kind das Problem ganz anders wahr und geht entsprechend damit um.

Ist es legitim, Taschengeld als Druckmittel einzusetzen?

Nein, für mich ist das kein probates Mittel. Weder Liebesentzug, Süßigkeiten oder Taschengeld sind ein Druck- oder Erziehungsmittel. Eltern schaffen so einen Druck, der immer zu Gegendruck führt.

Sollten Eltern das Taschengeld aufstocken, wenn Kinder im Haushalt helfen?

Nein, die Hausarbeit ist keine bezahlte Tätigkeit. Neben Beruf und Schule helfen alle im Haushalt. Der Lohn ist eine Wohlfühlatmosphäre, von der die ganze Familie profitiert. Eine Ausnahme gilt dann, wenn der Nachwuchs Aufgaben übernimmt, die normalerweise von bezahlten Kräften geleistet werden – zum Beispiel bei der Gartenpflege.

Taschengeld in Deutschland

Kinder im Alter von 6 bis 13 erhielten im Jahr 2015 durchschnittlich 26,35 Euro Taschengeld pro Monat. Im Jahr 2005 waren es noch 22,62 Euro. Quelle: KidsVerbraucherAnalyse

Und wo kann sich der Nachwuchs was dazuverdienen?

Auch innerhalb der Familie kann er Geld verdienen. Wenn die Familie beispielsweise ein Autohaus hat, kann er dort jeden Sonntag sitzen, damit sich die Leute die Wagen anschauen können. Das wäre ein Ferien- oder Aushilfsjob, den auch ein anderer Schüler gegen Geld machen würde. Darüber hinaus gibt es unzählige Möglichkeiten, zusätzlich zum Taschengeld Geld zu verdienen.

Und wie schaut es mit dem Sparen aus?

Ich finde es gut, wenn Kinder lernen, mit ihrem Taschengeld auf etwas hin zu sparen. Eltern können sie dabei unterstützen. Hilfreich ist eine Spardose, die den spontanen Zugriff auf das Geld erschwert. Gemeinsam sollte die Familie am Weltspartag Geld zur Bank bringen und auch die Summe des Ersparten würdigen. Kinder entwickeln so ein Bewusstsein und Zahldenken.

Mechthild Witte ist Diplom-Sozialpädagogin und Diätassistentin. Sie arbeitet seit mehr als 20 Jahren für die AOK, unter anderem im AOK Ratgeber-Forum Eltern & Kind. Ihre Schwerpunktthemen sind Ernährung und Erziehung.