Die AOK-Initiative für Familien
Richtig streiten: Kinder machen Kissenschlacht
Wie Familien von Streit profitieren

 

 

Richtig streiten lernen

Streit kommt nicht nur in den besten Familien vor, sondern ist wichtig für den Familienfrieden. Ähnlich wie beim Sport sollten Sie beim Streiten aber bestimmte Regeln einhalten, gerade im Umgang mit Kindern. Wie Sie richtig streiten, lesen Sie hier.

Harmonie oder Streit – beides gehört dazu

Auch wenn Sie sich wie viele Menschen Harmonie wünschen und Streit möglichst vermeiden möchten: Ein Streit zum richtigen Zeitpunkt kann befreiend wirken. Hat sich die angestaute Energie erst einmal entladen, bleiben oft Klarheit und Ruhe zurück. Damit auf Streit Harmonie folgen kann, sollten Sie als Familie bestimmte Regeln befolgen – erst recht, wenn Kinder beteiligt sind. Denn als Eltern nehmen Sie gleich zwei Rollen ein: Einerseits müssen Sie Autorität vermitteln und Ihre Standpunkte klar kommunizieren. Andererseits sind Akzeptanz und Verständnis für Ihren Nachwuchs wichtig. Denn auch seine Ansichten und Bedürfnisse sind berechtigt und verdienen Ihren Respekt.

Streit ist grundsätzlich positiv. Kinder lernen so, respektvoll und selbst­bewusst ihre Bedürf­nisse zu formulieren.AOK-Expertin Mechthild Witte

Persönliche Angriffe vermeiden

Beweisen Sie beim Streit mit Ihren Kindern Fingerspitzengefühl, denn als Eltern sitzen Sie in der Regel am längeren Hebel: Ironie und Sarkasmus im Umgang mit den Standpunkten Ihrer Sprösslinge sollten tabu sein. Versuchen Sie stattdessen, Ihre Kritik auf das Verhalten Ihrer Kinder zu beziehen und zeigen Sie Ihrem Nachwuchs mögliche Folgen seines Handelns auf. Persönliche Angriffe sollten Sie dagegen vermeiden.

Kinder leben im Hier und Jetzt. Dementsprechend schwer fällt es ihnen, über den Ist-Zustand hinauszublicken. Jeder Streit kann kleine Kinder erschüttern. Daher ist es wichtig, dass Sie Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn zeigen, dass jeder Streit ein Ende hat: „Im Moment bin ich sauer, aber vorm Schlafengehen vertragen wir uns wieder“, könnte eine Formulierung sein, die kleine Kinder verstehen und einordnen können.

Streiten – Tipps von AOK-Expertin Mechthild Witte

Nicht einmischen

Wichtig ist, dass immer nur die Personen an einer Streitsituation beteiligt sind, die der Konflikt betrifft. Geraten Mutter und Sohn aneinander, sollten sich andere Familienmitglieder aus dem Streit heraushalten.

Aufs Gleichgewicht achten

Die Anzahl der Streitenden sollte auf beiden Seiten gerecht verteilt sein: Sind beide Eltern am Streit beteiligt, dürfen Geschwister oder Großeltern das Kind unterstützen. Wirken beide Elternteile zugleich auf ein Kind ein, sind Autorität und Argumente ungleich verteilt. Ihr Kind hat so kaum eine Chance auf einen fairen Austausch.

Eine Pause einlegen

Streit ist emotional: Sobald Sie merken, dass statt Argumenten ausschließlich negative Gefühle die Auseinandersetzung bestimmen, sollten Sie eine Pause einlegen. Geben Sie Ihrem Kind und sich selbst die Chance, sich wieder zu beruhigen. Danach diskutieren Sie konstruktiver und sachlicher miteinander.

Vorwürfe vermeiden

Vorwürfe und persönliche Angriffe treiben Ihr Gegenüber in die Enge und führen zu hilfloser Aggression und Uneinsichtigkeit. Hilfreicher ist es, wenn Sie Ihre Bedürfnisse in der Ich-Form formulieren. So verhalten Sie sich vorbildlich, Ihr Nachwuchs folgt Ihrem Beispiel und Sie lösen das Problem schneller.

Beim Thema bleiben

Bleiben Sie beim Streitthema und versuchen Sie, in der Auseinandersetzung eine gemeinsame Lösung zu finden. Ungelöste Probleme aus der Vergangenheit haben in der aktuellen Diskussion nichts zu suchen. Sie binden unnötig Energie und Zeit und erschweren eine Lösung.

Nach Vorschlägen fragen

Eventuell verschließt sich Ihr Kind allen Argumenten, weil es überfordert ist. In diesem Fall sollten Sie den Streit beenden und fragen: „Wie würdest du das Problem lösen?“ So hat Ihr Kind die Chance, seine Forderungen zu überdenken und vielleicht selbst Probleme bei der Umsetzung zu erkennen – eine gute Gesprächsgrundlage für eine gemeinsame Lösung.

Nicht einmischen
Aufs Gleichgewicht achten
Eine Pause einlegen
Vorwürfe vermeiden
Beim Thema bleiben
Nach Vorschlägen fragen

Wer streiten kann, ist im Vorteil

So unangenehm Streit auch sein mag: Sich auf die Zunge beißen und einem Konflikt aus dem Weg gehen, ist keine gute Idee. Ihre Kinder sollten früh lernen, dass es klare Grenzen gibt. Auch wenn Streit auf den ersten Blick eine schmerzliche Erfahrung ist, fördern verbale Auseinandersetzungen den Reifeprozess und lassen Ihre Kinder wachsen.

Lernen Kinder schon als Heranwachsende, ihren eigenen Standpunkt zu vertreten und in emotionalen und manchmal lauten Auseinandersetzungen andere Sichtweisen zuzulassen und zu verstehen, entwickeln sie wichtige soziale Fähigkeiten. Kinder, die Streiten gelernt haben und Konflikte konstruktiv und sachlich bewältigen, haben es später leichter im Leben.

Mit gutem Beispiel vorangehen

Doch nicht nur Kinder streiten mit ihren Eltern. Auch Konflikte zwischen Partnern kommen schließlich vor. Diese Meinungsverschiedenheiten vor Ihren Kindern zu verheimlichen, ist keine gute Idee. Die Kleinen haben von Natur aus ein gutes Gespür für Stimmungen. Darum sollten Sie Konflikte klar kommunizieren. Dazu muss aber nicht jeder Streit vor den Augen der Kinder ausgetragen werden. Wichtig ist es, Ihren Kindern nicht das Gefühl zu geben, sie seien der Grund der Auseinandersetzung.

Bleiben Sie beim Streiten möglichst sachlich und fair und nennen Sie konkrete Kritikpunkte – kurz gesagt, gehen Sie als Eltern mit gutem Beispiel voran. Zeigen Sie Ihrem Nachwuchs auch, wie Konflikte friedlich beigelegt werden können. Am Ende eines Streits sollten stets ein Kompromiss und eine Versöhnung stehen. Schließlich folgt auf jedes Gewitter auch wieder Sonnenschein.

Auf Augenhöhe streiten

Familien sollten sich besser im Sitzen streiten: auf Augenhöhe. Eltern sind sonst psychologisch und physiologisch im Vorteil und schüchtern Ihre Kinder ein. Gleichzeitig können Eltern Streitsituationen nutzen, um das eigene Verhalten und die Regeln in der Familie zu überdenken.

Mechthild Witte ist Diplom-Sozialpädagogin und Diätassistentin. Sie arbeitet seit mehr als 20 Jahren für die AOK, unter anderem im AOK Ratgeber-Forum Eltern und Kind. Ihre Schwerpunktthemen sind Ernährung und Erziehung.