Die AOK-Initiative für Familien
Ein Junge wartet am Tisch auf sein Essen
Abwarten fällt Kindern schwer

 

 

Warten – so lernt Ihr Kind Geduld

Die leckeren Gummibärchen sofort verputzen und nicht lange abwarten? Geduld fällt kleinen Kindern schwer. Sie möchten ihre Wünsche am liebsten sofort erfüllt bekommen. Warten müssen sie erst lernen.

Max schmollt. „Ist schon später?“, fragt er und schielt ungeduldig zum Schälchen mit den Gummibärchen. „Nein, später heißt nicht jetzt“, schmunzelt seine Mutter. „Jetzt gibt es Mittagessen“, antwortet sie. Max fällt das Abwarten ganz schön schwer. Nur allmählich lernt der Zweijährige, was Begriffe wie „gestern“, „morgen“, „gleich“ oder „nachher“ bedeuten.

Babys können nicht warten

Kleinkinder und Säuglinge werden von ihren momentanen Eindrücken und Bedürfnissen geleitet und leben ganz im Hier und Jetzt. Sind sie zum Beispiel hungrig, quengeln oder schreien sie, natürlich auch, weil sie sich verbal noch nicht ausdrücken können. Es ist wichtig, dass Eltern in diesem Fall die Bedürfnisse ihres Babys erkennen und es möglichst schnell füttern. Dadurch vermitteln Sie Geborgenheit und fördern ein gesundes Urvertrauen.

Tipps: So machen Sie Kindern Zeit begreiflich

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Mit etwa zwei Jahren versteht Ihr Kind das Wörtchen „gleich“. Achten Sie darauf, dass Sie den Begriff bewusst verwenden: Heißt „gleich“ nie mehr als fünf Minuten, lernt Ihr Kind, dass es nicht lange warten muss.

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Zweijährige können noch nicht einschätzen, wie lange ein Tag dauert. Machen Sie deshalb konkrete Zeitangaben: „Noch einmal schlafen, dann fahren wir zu Oma“ ist verständlich. Abstrakte Begriffe wie „nächstes Jahr“ begreifen Kinder erst im Grundschulalter.

Zeit ist für Kleinkinder an Handlungsabläufe gebunden. Lassen Sie Ihr Kind zum Beispiel dabei zusehen, wie Sie sein Fläschchen vorbereiten und beschreiben Sie in einfachen Worten, was Sie gerade tun. Dadurch lernt Ihr Kind, dass die Zubereitung nötig ist, bevor es etwas zu essen gibt. Das Zuschauen überbrückt noch dazu die Wartezeit.

Geduld ist eine Frage des Alters

Ab dem dritten Lebensjahr kann und sollte Ihr Kind lernen, seine Wünsche und Bedürfnisse aufzuschieben. Erst kann es seine Impulse nur für kurze, später auch für längere Zeit kontrollieren. So entwickelt Ihr Kind Geduld. Von dieser Fähigkeit wird es im Laufe seines Lebens profitieren.

Mit ungefähr vier Jahren kann Max sich vorstellen, was andere Menschen denken und fühlen. Er begreift jetzt, dass seine Mutter erst sein weinendes Schwesterchen füttern muss, bevor sie Zeit zum Spielen hat.

Der Schlüssel zu allem ist Geduld. Nicht durch Aufschlagen, sondern durch Ausbrüten wird aus dem Ei ein Küken.Chinesisches Sprichwort

Geduld haben – Eltern als Vorbilder

Sie können den Lernprozess Ihrer Tochter oder Ihres Sohnes fördern, indem Sie im Familienalltag klare Warteregeln aufstellen. Sie bieten Orientierung und Sicherheit und helfen Ihrem Kind, Selbstkontrolle und Geduld zu üben. Als Vorbild haben Sie als Eltern großen Einfluss auf die Geduld Ihrer Kinder.

Tipps: Warten im Alltag trainieren

Üben Sie im Alltag Geduld. Das Warten in kleinen Dingen hilft Ihrem Kind später, auch länger geduldig zu bleiben.

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Wenn Sie selbst beim Warten regelmäßig hektisch und unfreundlich werden, lernt Ihr Kind schlecht, geduldig zu sein.

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Lassen Sie Ihrem Kind Zeit, Dinge selbst zu erledigen. Die Jacke oder die Schuhe zieht Ihr Nachwuchs schon ganz allein an. Üben Sie im Alltag Geduld. Das Warten in kleinen Dingen hilft Ihrem Kind später, auch länger geduldig zu bleiben.