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Kinder im Halloween-Kostüm
An Halloween ist Gruseln angesagt

 

 

Gruseliges Halloween – warum Kinder sich gerne fürchten

Gespenster, Monster, Zauberei – zu Halloween ist Gruseln angesagt. Für die Entwicklung Ihrer Kinder ist das Spiel mit dem Unheimlichen wichtig. Warum das so ist und wie Sie dafür sorgen, dass aus wohligen Schauern keine Angst wird, erfahren Sie hier.

Am späten Nachmittag des 31. Oktober klingelt es. Zusammen mit seiner Mutter öffnet Mio die Haustür: Vor ihm steht ein grünes Monster mit Hörnern und spitzen Zähnen. Ein Schauer läuft dem 7-Jährigen über den Rücken, er erschrickt. Sein Herz schlägt schneller, seine Hände sind feucht. Mio gruselt sich. Am liebsten würde er weglaufen.

Schauer und Wonnegefühl

Das Monster sagt: „Süßes oder Saures!“ Es folgt ein lautes Kichern. Auf den zweiten Blick erkennt Mio, wer hinter der Verkleidung steckt: Es ist Nils, der Nachbarjunge. Ein Kribbeln tritt an die Stelle des Schauers und ein angenehmes Wonnegefühl durchströmt Mios Körper. Er entspannt sich wieder und findet das Monster-Kostüm richtig cool.

 

Angst als Urinstinkt

Angst ist tief in der DNA des Menschen verankert. Sie ist ein treuer Helfer: Bereits in der Steinzeit schütteten die Körper unserer Vorfahren Stresshormone aus, wenn Gefahr drohte. Der „innere Alarm“ war eine wichtige Überlebenshilfe.

Durch Mutproben dazulernen

Neben der zufälligen Begegnung mit der Angst, sucht Ihr Nachwuchs die Gänsehaut auch ganz bewusst. Wenn Kinder älter werden, machen sie immer häufiger Mutproben: Sie spielen in dunklen Zimmern oder im Keller, erzählen sich Gruselgeschichten oder gehen auf den Friedhof. Psychologen beschreiben dieses Phänomen als Angstlust.

Sie ist das Zusammenspiel aus der Angst vor der vermeintlichen Gefahr und dem Wissen, dass die Bedrohung nicht echt ist. Zugleich helfen die Prüfungen Ihren Kindern bei der Entwicklung. Sie lernen sich besser kennen, entwickeln Mut zum Handeln und stärken ihr Selbstbewusstsein. Im Alltag kommen sie so besser zurecht und fürchten sich seltener.

Wenn einer keine Angst hat, hat er keine Phantasie.Erich Kästner, deutscher Schriftsteller


Spannung je nach Alter dosieren

Beim Gruseln kommt es nicht zuletzt darauf an, wie alt Ihr Kind ist. Babys und kleine Kinder empfinden bei Spielen wie „Hoppe, hoppe Reiter“, wo die vermeintliche Gefahr nur einen kurzen Augenblick dauert, im wahrsten Sinne des Wortes ein Auf und Ab: Auf eine leichte Ungewissheit oder Spannung folgt Erleichterung, denn unbewusst weiß Ihr Kind, dass es in Sicherheit ist.

Im Kindergartenalter nimmt Ihr Kind den Gefühlsmix aus Angst und Erleichterung schon anders wahr. Jetzt können Sie mit Ihrem Kind erste kurze Nachtwanderungen unternehmen oder ihm spannende Geschichten vorlesen. So festigt sich die Gewissheit, dass am Ende alles gut ausgeht und Ihr Nachwuchs lernt, mit unheimlichen Situationen besser umzugehen.

Erst im Grundschulalter hat Ihr Kind gelernt, zwischen Realität und Phantasiewelt zu unterscheiden. Psychologen sprechen vom Ende der „magischen Phase“. Ihr Kind weiß jetzt, dass es Monster, Hexen und Geister nicht wirklich gibt und kann sich an der kribbelnden Gänsehaut, die ein gruseliger Film hervorruft, erfreuen.

Eltern sollten für Balance sorgen

Auch wenn Ihr Kind den Nervenkitzel liebt, sollten Sie im Alltag stets darauf achten, in welche „Gefahrensituationen“ sich Ihr Sprössling begibt. Angstlust ist schließlich eine Mischung aus sehr unterschiedlichen Empfindungen. Ein fröhliches Lachen wird gerade bei jüngeren Kindern schnell zu einem ängstlichen Schluchzen.

An Halloween sollte darum vor allem der Spaß im Vordergrund stehen: Kinder schlüpfen selbst in die Rolle des schauerlichen Monsters und erschrecken sich und andere.

Wie reagiere ich, wenn mein Kind sich fürchtet? Die besten Formen der Anteilnahme und Beschwichtigung sind nonverbal. Zeigen Sie Ihrem Kind durch Umarmen oder Streicheln, dass keine echte Gefahr droht.